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3.7.2 Die Krankheit im Schulalltag
ADHS-Kinder, insbesondere wenn sie behandlungsbedürftig sind, aber nicht ärztlich behandelt werden, stellen sehr hohe Anforderungen an ihre Lehrer. Tagträumereien sind eine noch recht milde Ausprägung der Verhaltensauffälligkeit. Meist wirkt sich die verminderte Aufmerksamkeitsfähigkeit strapaziöser aus. Maximal 15 bis 30 Minuten - je nach Alter - können sich die Kinder konzentrieren. Dann werden sie unruhig und rastlos. Sie beschäftigen sich mit ihren Fingern oder Haaren, ihren Kleidungsstücken, Bleistiften oder Ähnlichem, während sich ihre Klassenkameraden problemlos auf das Unterrichtsgeschehen konzentrieren können. Zusätzlich führt mangelnde Impulskontrolle (Hyperaktivität) zu einem Störverhalten, das die gesamte Arbeitsatmosphäre in der Klasse belastet. Plötzliches Aufspringen, Rumhampeln, Angriffe auf Mitschüler oder vom Stuhl fallen gehören bei vielen Kindern mit ADHS zur Tagesordnung. Ständige Interventionen der Lehrperson machen einen geregelten Unterrichtsablauf zeitweise unmöglich. Es kommt zu ablehnenden Reaktionen seitens der Klassenkameraden, weil man kein Gespräch, keine Geschichte, keine Aufgabe, kein Experiment, keinen Film, kein Singspiel mehr „in Ruhe" bearbeiten oder genießen kann. Das Kind wird bei Gruppenarbeit als Gruppenmitglied abgelehnt. Da es kaum in der Lage ist, Freundschaften zu pflegen, mag sich schließlich auch keiner mehr neben das Kind setzen. Beschwerden der Eltern nichtbetroffener Kinder runden das Szenarium ab. Klassenarbeiten von normalem zeitlichem Umfang sind für diese Kinder eine Tortur und ein ungeeignetes Mittel, ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Wie intelligent ein solches Kind eigentlich ist, lässt sich sowieso schwer feststellen, weil es sich den üblichen Anforderungen und Kontrollen entzieht. So rastlos, wie es im Unterricht ist, so unfähig ist es auch zu Hause, sich auf den Unterricht vorzubereiten oder Hausaufgaben im vollen Umfang zu erledigen.
Oft fallen die Kinder aber durch besondere Kreativität bei Gestaltungsaufgaben auf. Wesentlich gemildert wird die Schulproblematik durch eine gut angepasste medikamentöse Behandlung. Für das betroffene Kind, die Lehrperson und die Klassenkameraden ist es wie eine Erlösung, wenn die Behandlung anschlägt. Kommt ein medikamentös behandeltes und psychologisch betreutes Kind neu in eine Klasse, fällt es unter Umständen gar nicht auf. Dem Kind müssen dann immer noch Hilfen im Unterricht gegeben werden, um Aufmerksamkeitsstörung und Impulsivität zu kompensieren, aber das kann eine Lehrperson nach entsprechender Beratung bzw. Weiterbildung gut in den Unterrichtsalltag integrieren. Oft ist die medikamentöse Behandlung Voraussetzung dafür, dass ein Kind mit ADHS auch an außerschulischen Unternehmungen (Ausflügen, Klassenfahrten) teilnimmt, weil es unbehandelt für sich und andere ein Risiko darstellen kann. Während nämlich das gesunde Kind zwar die Idee haben kann, aus dem Fenster der Jugendherberge zu springen, um noch nicht ins Bett zu müssen, es dann aber angesichts der Distanz zum Boden lieber sein lässt, springt das ADHS-Kind spontan und unbekümmert - und wundert sich dann über die Folgen. Nimmt ein Kind Medikamente, dann ist im Vorfeld mit den Eltern sorgfältig abzusprechen, wann und wie die regelmäßige Einnahme auf der Klassenfahrt sicherzustellen ist. Die üblicherweise verordneten Medikamente wirken drei bis vier Stunden. Die Lehrperson sollte sich vergewissern, ob die Klassenkameraden über die Behandlung Bescheid wissen oder ob das nicht gewünscht wird. Für den Sportunterricht gilt: Bewegung führt im Prinzip zu Entlastung und Entspannung. Wenn aber Spielregeln und Vorsichtsmaßnahmen nicht beachtet werden, dann kann es problematisch und auch gefährlich werden.
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